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Blick auf Empore und Kirchenschiff. Auf der Empore sitzt eine männliche Person am Spieltisch der Orgel, rechts daneben stehen zwei weibliche Personen, eine spielt Geige, die andere Querflöte.

Weihnachtsmusik im Wandel(n)

Drei Musiker:innen aus der Hochschule erfüllen mit sechs Instrumenten die Mittweidaer Stadtkirche. In der Hochschule entwickelte Elektronik lässt Orgel und Glockenspiel erlingen.

Blick von Altarraum nach oben ins Kirchenschiff auf die Emporen. Links im Hintergrund zwischen zwei Pfeilern steht die Querflötenspielerin, auf der Empore rechts die Geigenspielerin.
Suchbild: Silia Aichele links oben auf der Orgelempore zwischen den Pfeilern, Gina Marie Ehrhardt auf der Nordempore.

Traditionen helfen, sich auf das Weihnachtsfest einzustimmen. Traditionen neu zu interpretieren und mit Überraschungen zu beleben, tut dem keinen Abbruch. Für die Besucherinnen der – traditionellen – Weihnachtsmusik mit Professor Frank Czerner am 5. Dezember war es jedenfalls neu, diesmal im Altarraum der Mittweidaer Stadtkirche Platz zu nehmen und nicht auf der Orgelempore. „Das haben wir schon immer so gemacht“, würde auch zu einer wissenschaftlichen Einrichtung nicht passen, die sich als grenzenloses Experimentierfeld der Möglichkeiten versteht.

Im Vordergrund steht ein schwarzer Flügel, an den ein Plakat mit der Aufschrift „Lebendiger Adventskalender Mittweida – 5“ befestigt ist. Hinter dem Flügel steht der Professor applaudierend der Geigerin und der Flötenspielerin zugewandt. Im Bildhintergrund sitzen applaudierende Zuschauer:innen.
Applaus für die Mitspielerinnen: Silia Aichele (rechts) hat in Mittweida „Allgemeine und digitale Forensik“ studiert, Gina Marie Ehrhardt steht im selben Studiengang kurz vor dem Bachelorabschluss. Die Weihnachtsmusik war das fünfte Türchen des Lebendigen Adventkalenders 2024 der christlichen Kirchen in Mittweida.

Klang aus dem gesamten Kirchenraum

Kamen die Besucher:innen also in diesem Jahr dem Professor an der Orgel und seinen beiden Begleiterinnen Silia Aichele an der Querflöte und Gina Marie Ehrhardt an der Geige nicht so nahe wie sonst, war für die drei der musikalische Einsatz eine fast sportliche Herausforderung: Denn während im Verlauf des einstündigen Konzerts die Ladegast-Jehmlich-Orgel oder im Altarraum der Steinway-Flügel phasenweise zusammen mit dem Glockenspiel, der „Celesta“ von 2022, erklangen, spielten Geige und Querflöte mal vom mittleren Joch der Empore des nördlichen Seitenschiffes, mal von der Orgelempore, mal direkt vom Altarraum aus. Das mobile Musiker:innen-Trio sorgte so auch dafür, dass die Musik von drei unterschiedlichen Orten im Kirchenschiff gleichzeitig erklang.

Zwei weibliche Personen schauen interessiert auf eine Tastatur, die im rechten Winkel zur Tatstatur eines Flügels aufgebaut ist und einem elektronischen Keyboard ähnelt . Professor Czerner beugt sich über den Spieltisch und betätigt eine Taste.
Interessierte Blicke auf den Spieltisch, der mit der Celesta per Kabel verbunden ist.

Technik lässt Musik erklingen

Dass Czerner am Flügel im Altarraum mit rechter Hand auch die ferne immobile Celesta spielen konnte, macht deren elektronische Fernsteuerung über ein eigenes mobiles Manual möglich. Dahinter steckt ein anderer Professor aus Mittweida: Christian Schulz. Der hatte vor vielen Jahren für den alten störungsanfälligen mechanischen Spieltisch der Mittweidaer Orgel einen elektronischen Bypass entwickelt. Daraus ist ein System entstanden, das als „Orgel-Elektronik System Eule“ inzwischen weltweit eingesetzt wird und auch die Ansteuerung des von der Orgel räumlich abgesetzten Glockenspiels ermöglicht. Aktuell erprobt Schulz an der Mittweidaer Celesta eine dynamische Steuerung, die schon bald das Röhrenglockenspiel der „Porsche-Orgel“ in der Leipziger Nikolai-Kirche in unterschiedlicher Lautstärke erklingen lassen wird.

Eine männliche Person spricht lächelnd vom Pult vor dem Altar aus.
Professor Christian Schulz, Vorsitzender des Orgelvereins Mittweida, gibt eine kurze Einführung in die Geschichte der Orgel, die 1888 von Friedrich Ladegast erbaut und im Jahr 1931 von Jehmlich Orgelbau erweitert wurde. Schulz selbst begleitete die umfangreiche Sanierung 2017/18.

Weltliche und geistliche Weihnachtsthemen verbunden

Zur Einstimmung der Weihnachtsmusik in der Stadtkirche „Unser lieben Frauen“ in Mittweida erklangen das „Big Ben“-Motiv, „Amazing Grace“, „Hark the Herald Angels Sing“. Meditativ ging es weiter mit der jüdischen Weise „Kennst du das alte Lied“, verwoben mit dem Thema „Maria durch ein Dornwald ging“. Es folgten Improvisationen zu bekannten Melodien: „My Bonnie is over the Ocean“ und „Jingle Bells“, das in „Leise rieselt der Schnee“ überging, dessen Melodie von der Geige weitergeführt wurde, bevor Querflöte und Flügel/Celesta wieder miteinstimmten:. Das „Finale“ bildete „Nun freut euch, ihr Christen“, das zunächst auf der Orgel angestimmt und dessen dritte und vierte Strophe im Altarraum mit Flügel, Celesta, Geige und Querflöte weitergeführt wurde. Das komplette Konzert steht auch zum Nachzuhören zur Verfügung. Die Aufnahme hat Andreas Löffler erstellt.

Eine junge weibliche Person steht lächelnd am Pult vor dem Altar uns spricht in ein Mikrofon.
Gina Marie Ehrhardt trägt ihr Gedicht „Zauber des Winters“ vor.
Besucher:innen stehen um den Orgeltisch, an dem der Professor spielt.
Tradition mit Besucher:innen auf der Empore: Nach dem Konzert bot Professor Czerner die Gelegenheit, sich die Celesta und die Ladegast-Jehmlich-Orgel anzuschauen und anzuhören. Anschließend blieb man bei Orgel-Glühwein, Tee und Gebäck noch zusammen.